Flippiger Unterricht zur Förderung von Medienkompetenz!

Was war das für eine unglaubliche Woche: Die Schülerinnen und Schüler von Joe waren im ZIB Magazin des ORF, Stefan diskutierte in der Neustart Schule Bildungsarena mit hochkarätigen Vertretern aus Politik, Wirtschaft und Schule und dann wurde auch noch das eEducation Bundeszentrum in Linz eröffnet…

 

Wie können Lehrerinnen und Lehrer mit der Digitalisierung umgehen? Muss Schule auf die Veränderungen, die damit in der Gesellschaft auftreten, reagieren? Diese und viele ähnliche Fragen beschäftigen Medienpädagogen und Mediendidaktiker schon seit vielen Jahren. Das Bundesministerium für Bildung hat nun ein eigenes Kompetenzzentrum für diese Fragen eröffnet:

Unter dem Sammelbegriff eEducation Austria werden alle bereits vorhandenen Initiativen gebündelt und als Schulentwicklungsstrategie ein Teil des Regierungsprogramm Schule 4.0 – jetzt wird’s digital sein. Diese vier Säulen sollen digitale Kompetenzen für alle Schülerinnen und Schüler gewährleisten:

  1. Digitale Grundbildung ab der Volksschule
  2. Digital kompetente PädagogInnen
  3. Infrastruktur und IT-Ausstattung
  4. Digitale Lerntools

Zu 1: In der Volksschule soll durch einen spielerischen Zugang das Interesse für Technik und Problemlösen gefördert werden. Es gibt hier bereits sehr schöne Beispiele aus der Praxis, z.B. Coding mit Ozobots im Musikunterricht. Weitere innovative Ideen für den VS-Bereich gibt es auf dem Blog von Barbara Zuliani.
Pädagoginnen und Pädagogen können sich bei dem stetigen Aufbau der digitalen Kompetenzen am Modell digi.komp orientieren. Dieses Stufenmodell gibt es für alle Alterstgruppen und Schulstufen und mit dem digi.check können die erworbenen Fähigkeiten und Fertigkeiten nachgewiesen werden.

Zu 2: Der wohl wichtigste Punkt der Bildungsstrategie: Angehende Lehrkräfte absolvieren einen Lehrgang und dokumentieren ihre Kompetenzen mittels eines Portfolios, wieder kann man sich hier bereits an einem bestehenden Kompetenzmodell, dem digi.kompP, orientieren.

Auch in der Fort- und Weiterbildung wird das Angebot zum didaktisch sinnvollen Einsatz digitaler Medien in allen Unterrichtsfächern ausgebaut. Eine besondere Rolle nimmt hier die Virtuelle Pädagogische Hochschule (VPH) ein, die bereits jetzt ein breites Angebot an Lehrveranstaltungen zu digitalen Kompetenzen aufweisen kann: eLectures, Online-Seminare, Coffee-Cup Learning
Zusätzlich gibt es bereits einige sehr gute Lehrgänge für im Dienst stehende Lehrpersonen:

PH Niederösterreich:
Lehrgang „Lehrer für IKT“
Lehrgang „eLearning – ePädagogik
Lehrgang „Deutsch digital“
Lehrgang „Digital English Language Teaching“
Lehrgang „Mathematik digital“
Lehrgang „Prima(r) Medien“

PH Wien:
Lehrgang „Unterricht mit digitalen Medien“

Private PH Linz/Oberösterreich:
Lehrgang „Medienpädagogik und E-Learning in der VS“
Lehrgang „Lehrer/in für IKT“ 

PH Steiermark:
Lehrgang „Informatiklehrer/in für Sek. 1
Lehrgang „Informatiklehrer/in für Sek. 2“
Lehrgang „Lernraum Radio“

PH Tirol:
Lehrgang „eEducation“

Zu 3: Diese Initiative ist absolut zu begrüßen! Für viele Lehrerinnen und Lehrer sind der plötzliche Ausfall von W-LAN oder der langwierige Anmeldeprozess auf den Geräten abschreckende Hürden.

Trotzdem muss man erwähnen, dass Bring-Your-Own-Device-Konzepte (BYOD) auch ihre Berechtigung haben. Aus den unterschiedlichen Jugend-Medien-Studien (z.B. JIM oder Medienstudie OÖ) wissen wir, dass die Kinder und Jugendlichen Smartphones besitzen. Mit diesen leistungsfähigen Geräten lässt sich bereits sehr gut arbeiten, wie z.B. die 3D des Gymnasium Polgarstraße im ZIB Magazin (und auch in der ZIB 24) demonstrierte. Weitere Beispiele liefern Ferdinand Stipberger, Martin Satzl und das Friedrich-Gymnasium in Freiburg, das für die Initiative „Smartphones und Tablets im Unterricht? Bitte einschalten!“ sogar mit dem Deutschen Lehrerpreis 2016 ausgezeichnet wurde.

Zu 4: Digitale (Lern-)Tools gibt es wie Sand am Meer! Für Pädagoginnen und Pädagogen kann es sehr schwierig sein, tatsächlich sinnvolle von bloßen Spielereien zu unterscheiden. Auch in diesem Bereich gibt es bereits Initiativen, die neben einer Beschreibung der Tools auch Einsatzszenarien für den Unterricht anbieten, z.B. eTapas, Medienfundgrube, Kids.Blog.

Entscheidend sind die Einsatzszenarien bzw. die didaktischen Konzepte! Lerntools oder Lernmaschinen gibt es schon sehr lange, man denke nur an B. F. Skinner und den Programmierten Unterricht.

Digitale Medien können den Unterricht bereichern, wenn sie im Sinne einer neuen Lernkultur eingesetzt werden. Das oberste Prinzip dieser Lernkultur:
METHODENVIELFALT!

Auf Frontalunterricht folgen offene Lernumgebungen, die z.B. mit QR-Codes und/oder Augmented Reality Elementen gestaltet werden. Flipped Classroom muss nicht das ganze Schuljahr über als Konzept, sondern kann auch für ein bestimmtes Thema als Methode verwendet werden.

Auch wissenschaftliche Erkenntnisse machen deutlich: Es geht nicht um einen Wettkampf zwischen Methoden (Frontal- vs. offener Unterricht) oder Medien (Text vs. Bild/Video), sondern um abwechslungsreichen und am Lernen orientierten Unterricht.

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